Peak Gas –
Über die Zukunft der Erdgasversorgung
Dieser Text ergänzt unseren Peak-Oil-Text um das Thema Erdgas.
In begrenztem Umfang ist es möglich, Erdöl durch Erdgas zu ersetzten, z.B. in der Stromerzeugung (in Deutschland werden nur etwa 2 % der Elektrizität aus Öl erzeugt, in Europa etwa 4,5 % ), Im Verkehr (Einsatz von Erdgasfahrzeugen) oder bei der Wohnungsheizung. Durch diese beschränkte Ersetzbarkeit entsteht eine gewisse Koppelung des Gaspreises an den Ölpreis. In Deutschland ist der Gaspreis zusätzlich seit den 60er Jahren durch die Ölpreisbindung an den Ölpreis gekoppelt.
Grundsätzlich gelten für den Verlauf der Förderung von Erdgas die selben Mechanismen wie für Erdöl, das heißt auch hier werden die leicht zu erschließenden Felder zuerst ausgebeutet, es gibt ein Fördermaximum, anschließend geht die Förderung zurück, währen mit immer höherem Aufwand an schwer zu erschließenden Stellen mit immer geringerer Ergiebigkeit gefördert wird. Die Hubbert-Kurve ist grundsätzlich auch für Gas anwendbar. Beim Erdgas ergeben sich jedoch zusätzliche Transportprobleme.
Der weltweite Erdgasverbrauch steigt beständig an. Zusätzlich zu den Großabnehmern der industrialisierten Welt treten neue Global Player wie China und Indien auf den Markt. Auch der Eigenverbrauch der Förderländer steigt beständig. Wie beim Erdöl sind auch hier die offiziellen Angaben zu den Reserven mit großer Vorsicht zu genießen. Über den Zeitpunkt des Erdgas-Fördermaximums schreibt ASPO Deutschland: „Doch selbst, wenn man die offiziellen Reserveangaben (25 billionen m³) zugrunde legt und alle oben geäußerten Bedenken beiseite schiebt, dann dürfte bei derzeitigem Verbrauchsanstieg die weltweite Gasförderung um das Jahr 2025 das Fördermaximum erreichen.“
In Deutschland hat der Erdgasverbrauch in den letzten zehn Jahren um fast 20 % zugenommen. Etwa ein Drittel des in Deutschland verbrauchten Gases kommt aus Russland. Nach Schätzung der Energy Watch Group und auch von ASPO Deutschland wird sich die Gasförderung in Westeuropa in den nächsten 20 Jahren halbieren. Der Erdgasverbrauch Westeuropas stieg dagegen in den letzten zehn Jahren um etwa zehn Prozent. Um die wachsende Lücke zwischen Eigenproduktion und Nachfrage auszugleichen sind steigende Importe nötig. Neue Pipelines aus dem Osten sollen mehr Gas nach Westeuropa bringen, aber die Kapazität der geplanten Trassen reichen bei weitem nicht aus. Planung und Bau der milliardenschweren Bauprojekte bedürfen zudem jahrelanger Planung, die durch geopolitische Konflikte mit Transit- und Anrainerstaaten verkompliziert werden. Auch Planung und Bau von Terminals zum Import von verflüssigtem Erdgas per Schiff sind langwierig und kostspielig. Die Energy Watch Group geht davon aus, dass im Jahr 2020 in Europa voraussichtlich 200 Mrd. m³ Erdgas fehlen. Es ist zweifelhaft, ob bis dahin die Infrastruktur geschaffen werden kann, um die entsprechenden Gasmengen zu importieren. Nach Schätzung von ASPO Deutschland wären dafür vier bis zehn neue Pipelines nötig, die bis heute noch gar nicht angedacht sind. Es ist aber auch fraglich, ob die entsprechenden Gasmengen überhaupt zur Verfügung gestellt werden könnten, insbesondere angesichts der wachsenden Nachfrage aus China und Indien. ASPO Deutschland rechnet bereits in den nächsten Jahren mit Erdgaslieferengpässen in Westeuropa.